Luzern|04.09.2026|

Besuch Zivilschutzanlage Sonnenberg

Eine eindrückliche Reise in die Vergangenheit

Der Verbandsvorstand Turnverband Luzern, Ob- und Nidwalden lud am Freitag, 4. September 2026, seine Funktionär*innen zum Besuch der Zivilschutzanlage Sonnenberg in Luzern ein. 35 Personen folgten der Einladung von Organisator Simon Lindemann und erlebten einen eindrücklichen Event mit anschliessendem Pizzaplausch in der Pizzeria Peperoncini.

Ganz versteckt inmitten eines Kinderspielplatzes liegt der Eingang zur Zivilschutzanlage Sonnenberg, eine gross angebrachte Hinweistafel macht darauf aufmerksam. Ein halbrunder Gang führt tief hinunter in den Berg. An den Wänden eine Strichliste: 20‘000 orange Kritze, einer für jede Person, die hier Platz gefunden hätte. Denn die Zivilschutzanlage Sonnenberg wurde in den 1970er-Jahren für 20’000 Menschen gebaut. Sie ist ein Zeitzeugnis des Kalten Krieges, der Atomangst und der Vorsorge. Über der Tunnelmitte entstand ein 7-stöckiges Gebäude, das logistische und technische Zentrum der Anlage, die sogenannte Zivilschutz Kaverne bestehend aus einer Lüftungszentrale mit Notstromanlage, einer Gasfilteranlage sowie Tankräumen, etwa für Trinkwasser oder Diesel. Die Kaverne verfügt u.a. über einen Kommandoposten mit eigenem Radiostudio, ein 3-stöckiges Notspital mit zwei Operationsräumen, Arrestzellen sowie einer Küche. Im Ernstfall wären auf der Fahrbahn der beiden Sonnenbergtunnels für 20’000 Menschen Schlafabteile mit 4-stöckigen Liegebetten und Toilettenanlagen aufgestellt worden.

Zwischen 2006 und 2008 wurde die Anlage rück- und umgebaut. Einerseits war es eine Kostenfrage und man hätte die Anlage auch sanieren müssen. Andererseits merkte man bei der Feuerprobe namens Übung «Ameise», dass es Komplikationen beim Schliessen der Tunnelröhren gab.

Seither erfüllen die beiden Röhren des Sonnenbergtunnels keine Doppelfunktion mehr, sondern sie dienen ausschliesslich dem Strassenverkehr. Die Zivilschutzanlage Sonnenberg zählt aber nach wie vor zu den weltweit grössten Schutzräumen und ist heute ein Ort der Reflexion und des Wissens sowie ein Symbol für die Sicherheit der Schweiz. Der Ukraine-Krieg hat Europa tief getroffen. Dieser anhaltende Konflikt unterstreicht für den Bundesrat die Wichtigkeit von Zivilschutzräumen. Er möchte den Wert der Bunker erhalten und hat deshalb Änderungen in der Zivilschutzverordnung im Bereich Schutzbauten gutgeheissen. Die Bunker sollen modernisiert werden: defekte Teile ersetzen, Baupflicht anpassen, Beiträge erhöhen. Denn ein Bunker soll damals wie heute vor atomaren, biologischen und chemischen Einflüssen schützen, aber auch vor Naturkatastrophen oder Pandemien.

Die beiden Führer Till Gehring und Felix Vögeli (es wurden 2 Führungen gemacht) konnten uns viel Interessantes über die Bedeutung und Funktion des Bunkers mitteilen. Sie beleuchteten die geschichtlichen Hintergründe, die zu diesem Riesenbauwerk geführt haben, machten erfahrbar, wie das Leben im Schutzraum für die Bevölkerung ausgesehen hätte, und gaben Einblick in die Bereiche, in denen das Personal gearbeitet hätte – so etwa den Kommandoposten, das Notspital, die Küche oder die Arrestzellen. Und informierten über die heutige Nutzung der Anlage betr. Trinkwasser, Lüftung, Notstrom oder bei Notfällen (Brand im Autobahntunnel).

Simon Lindemann, Abteilungsleiter Anlässe und Projekte, bedankte sich mit einem Präsent bei den beiden und gemeinsam marschierten alle Funktionäre zu Fuss in die Pizzeria Peperoncin zum Pizzaplausch. Es war für alle bereits gedeckt und wir wurden grosszügig mit Apero, Pizzas und Getränken verwöhnt. An Gesprächsstoff fehlte es nicht, neben sportlichen Themen auch über die Eindrücke im Bunker, die Uebung Ameise war sogar einigen bekannt. Abschliessend meinte Evi Hurschler, Präsidentin des Turnverbandes Luzern, Ob- und Nidwalden: „Es ist mir wichtig, dass sich die Funktionäre wohl fühlen, dass ich ihnen Danke sagen kann für ihre grosse Arbeit, die sie das ganze Jahr machen. Denn ohne sie gäbe es kein uns“. Danke Evi, wir sind froh auch um deine Arbeit!

Bericht/Fotos: Ursula Hunkeler